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Die Swiss Alp Health GmbH hat am 24. und 25. Oktober am Schweizer Sportmedizin Kongress in Interlaken teilgenommen. Ein guter Anlass, sich zu erinnern, wie wichtig Bewegung für die Lebensqualität ist.

Ist Sport ein Jungbrunnen?

Moderates Training bringt viele Vorteile, sagt Dr. med. Boris Gojanovic, Sportmediziner und Facharzt für Allgemeine Innere Medizin am Hôpital de La Tour in Meyrin (Genf), Schweiz. Viele Erwachsene nehmen sich aber oft nicht die Zeit für sportliche Aktivitäten, obwohl sie sehr gestresst sind. Die Folge: Übergewicht und Probleme mit den Gelenken.

10 Minuten Gehen reduziert das Sterberisiko um 15 %

Das Sterberisiko, Stoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Probleme, Gelenkentzündungen, Rückenschmerzen, häufige Stürze bei älteren Personen, Krebs, Depression und Demenz[i]: Das alles lässt sich durch regelmässige Bewegung verringern. Körperliche Aktivität ist auch ein wichtiger und „nebenwirkungsfreier“ Ausgleich für unsere sitzende Lebensweise.

Ein wichtiger Faktor: Motivation

Die Motivation ist an das emotionale Gehirn gebunden. Ein persönlicher Trainingsplan, der Rücksicht auf den individuellen Tagesablauf nimmt, macht es uns leichter, langfristig mehr Bewegung in unseren Alltag zu bringen. Ein solcher Plan hilft den Patienten zudem, auch kurze verfügbare Zeiträume während des Tages zu nutzen.

Von der Motivation zur Gewohnheit

Wer neue Gewohnheiten ausbilden will, muss meistens seinen Lebensstil verändern. Prof. Dr. med. Martin Halle, Leiter des Instituts für Sportmedizin und Sportkardiologie am Universitätsklinikum München, Deutschland, sieht drei zentrale Faktoren, die uns helfen können, Bewegung langfristig in den Alltag zu integrieren:

  1. Indem wir unseren persönlichen Gesundheitszustand und die eigene Leistungsfähigkeit kennen, damit wir uns vorstellen können, welche Veränderungen möglich sind
  2. Indem wir unsere Beweggründe verstehen, damit wir uns Ziele setzen, unsere Grenzen erkennen und Strategien finden können, um diese zu überwinden
  3. Indem wir uns auf unsere eigene Vorstellung von Gesundheit und Bewegung konzentrieren, um darauf aufbauend einen individuellen und präzisen Trainingsplan zu entwickeln, der auch regelmässige medizinische Kontrollen einschliesst.

Langfristig, so Prof. Dr. med. Halle, kommt es auch auf die Ernährung und die Kontrolle an.

Der Nutzen für Diabetiker

Diabetes Typ 2

Typ-2-Diabetes ist in der Regel das Ergebnis einer ungeregelten Lebensweise (Übergewicht, zu viel Zucker, sitzende Lebensweise, genetische Faktoren …). Die Folge: eine Überlastung der Bauchspeicheldrüse, die nun weniger Insulin produziert, und der Körperzellen, die gegen Insulin resistent werden und keinen Zucker mehr aus dem Blut aufnehmen.

Bewegung erhöht die Empfindlichkeit der Muskelzellen auf Insulin und kurbelt den Fettabbau an, sodass sich die Zellen wieder erholen.

Bereits 180 Minuten Bewegung pro Woche – eine Kombination aus Ausdauertraining und leichtem Kraftsport – haben einen positiven Effekt auf die Blutzuckerregulation, das kardiovaskuläre Risikoprofil, das Gewicht und die Körperbalance. Die Lebensqualität nimmt zu, das Sterberisiko ab. Allerdings sollten die Patienten medizinisch betreut werden, da bei einigen Therapien möglicherweise die Medikation angepasst werden muss, sagt Prof. Dr. med. Halle.[ii]

Diabetes Typ 1

Typ-1-Diabetes ist eine genetisch bedingte Autoimmunkrankheit, die sich schon in jungen Jahren ausbildet, weil das Immunsystem die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift.

Sport hilft den Patienten, die mit einer Diabeteserkrankung einhergehenden Komplikationen sowie das Sterberisiko zu verringern, den Körper gesund zu erhalten (Blutdruck, BMI, Fettanteil) und seine Reaktion auf die Insulingaben zu verbessern. Sportlich ambitionierte Diabetiker brauchen medizinische Betreuung und Beratung, damit sie ihre Therapie und Ernährung an das Training anpassen können und sich nicht selbst gefährden. Einige ‒ wie Gary Hall Jr., Jan Neuenschwander und Matthias Steiner ‒ sind sogar Spitzensportler geworden!

Sport im Kampf gegen Krebs

Dr. med. Jean-Marc Lüthi, ehemaliger Leiter der Onkologie am Spital Thun, Schweiz, und spezialisiert auf Bewegungsprogramme für Krebspatienten, empfiehlt eine gute Stunde körperliche Aktivität (z. B. Gehen) pro Tag. Denn auch der Abbau von Muskelmasse, der mit einer Verringerung der Überlebensrate[iii] zu korrelieren scheint, ist bei körperlich aktiven Patienten weniger häufig zu beobachten. Dass Bewegung Teil des Therapieplans von Krebspatienten sein sollte, ist inzwischen gut dokumentiert.

Sportlich besonders aktive Frauen haben ein um 12 % geringeres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken als die Gruppe der am wenigsten aktiven Frauen[iv].

Bewegung unterstützt vermutlich auch die Krebstherapie, indem sie bei Patienten, die den Krebs überlebt haben, das Risiko für Herzerkrankungen senkt[v] und die Nebenwirkungen während der Krebsbehandlung vermindert (dokumentiert für Prostatakrebs).[vi]

Sport zur Vorbeugung von Herzerkrankungen

Laut Prof. Dr. med. Matthias Wilhelm, Sportmediziner und Kardiologe am Universitätsspital Bern, Schweiz, ist ein moderates Ausdauertraining sehr gut für das Herz. Schon während der ersten Wochen wirkt sich die Bewegung positiv auf das Nervensystem und (wegen der besseren Versorgung durch die Herzkranzgefässe) auf die Funktion des Herzmuskels aus. Dann wird der Herzmuskel sichtlich gestärkt, und nach einigen Monaten sinken nicht nur Blutdruck und Cholesterinspiegel, sondern auch der BMI und der Fettanteil des Körpers – und mit ihnen die kardiovaskuläre Risiken.[vii]

Sport ist eine wirksame Therapie für viele Herzpatienten, muss jedoch medizinisch überwacht werden und sollte immer schrittweise an die individuelle Belastbarkeit angepasst werden (insbesondere nach einem Herzinfarkt). Welche Aktivität wir auch wählen, am Ende kommt es vor allem auf eines an: die Regelmässigkeit!

Jeder (noch so kleine) Schritt zählt …

Wie Dr. med. Gojanovic abschliessend sagte: Was zählt, ist die Summe der täglichen Aktivitäten. Wenn wir also keine Zeit für 30 Minuten Sport haben, dann tun es auch drei Mal 10 Minuten.[viii] Also, keine Ausreden mehr: Schuhe an, fertig, los …

 

[i] Haseler, C., Crooke, R. & Haseler, T. Promoting physical activity to patients. BMJ l5230 (2019). doi:10.1136/bmj.l5230

[ii] Colberg, S. R. et al. Physical activity/exercise and diabetes: A position statement of the American Diabetes Association. Diabetes Care 39, 2065–2079 (2016).

[iii] Caan, B. J. et al. Association of Muscle and Adiposity Measured by Computed Tomography With Survival in Patients With Nonmetastatic Breast Cancer. JAMA oncology 4, 798–804 (2018).

[iv] Pizot, C. et al. Physical activity, hormone replacement therapy and breast cancer risk: A meta-analysis of prospective studies. European Journal of Cancer 52, 138–154 (2016).

[v] Jones, L. W. et al. Exercise and risk of major cardiovascular events in adult survivors of childhood hodgkin lymphoma: a report from the childhood cancer survivor study. Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology 32, 3643–50 (2014).

[vi] Gardner, J. R., Livingston, P. M. & Fraser, S. F. Effects of exercise on treatment-related adverse effects for patients with prostate cancer receiving androgen-deprivation therapy: a systematic review. Journal of clinical oncology : official journal of the American Society of Clinical Oncology 32, 335–46 (2014).

[vii] Thijssen, D. H. J., Redington, A., George, K. P., Hopman, M. T. E. & Jones, H. Association of exercise preconditioning with immediate cardioprotection: A review. JAMA Cardiology 3, 169–176 (2018).

[viii] Jakicic, J. M. et al. Association between Bout Duration of Physical Activity and Health: Systematic Review. ACTIVITY GUIDELINES ADVISORY COMMITTEE. Association between Bout Duration of Physical Activity and Health: Systematic Review. Med. Sci. Sports Exerc 51, 1213–1219 (2018).

 

Mehrere informationen über Swiss Alp Health

Schweizerische Gesellschaft für Sportmedizin SGSM